Ist UBER in der Schweiz am Ende? [Updated]

Ist UBER in der Schweiz am Ende? [Updated]

Der Fahrdienst aus dem Silicon Valley ist nicht unbedingt mit Elektroautos unterwegs, für mich ist UBER aber ein wichtiger Schritt in eine neue Mobilität. Natürlich ist UBER einem Taxi-Dienst ähnlich mit ein paar feinen, aber entscheidenden Unterschieden. Früher war ich oft mit Taxis unterwegs. Eines meiner Hauptprobleme war, hat man eines gerufen, konnte gut sein, dass der Taxifahrer irgendjemand am selben Ort mitgenommen hat, aber nicht die Person welche angerufen hat. Ist mir dutzende male passiert. Es war auch immer ein Rätsel ob und wann das Taxi kommt. Am Telefon hiess es fünf Minuten, nach fünfzehn Minuten war immer noch niemand da, weil der Fahrer noch einen Bekannten in der Zwischenzeit transportiert hat. Bei Taxis wusste man nie so genau, was für ein Fahrzeug da angefahren kommt. Selbst wenn man beim Anruf noch erwähnt hat, dass man eine Gruppe von fünf Personen sei, fanden am Ende nur drei, maximal vier Personen einen Sitzplatz. Der Zustand der Taxis war auch immer ein Zufall. Mal war das Taxi einfach nur schmuddelig, vielleicht stank es nach kaltem Zigarettenrauch, oder es war wie ein Schrein geschmückt. Beim Abrechnen konnte man das eine Mal nicht auf grosse Noten herausgeben, oder hatte kein Kleingeld um das nötige Rückgeld auszuhändigen…

Und dann kam UBER.

Den Fahrdienst hab ich vor ca. vier Jahren für mich entdeckt und war sofort begeistert. App herunterladen, Kreditkarte hinterlegen, Profil erstellen, Standort definieren, Ziel eingeben, einen UBER-Fahrer auswählen und nach der Preisvorschau beauftragen. Sofort wird die voraussichtliche Ankunftszeit angezeigt und man kann dann gemütlich im Kaffee auf den Fahrdienst warten. Kurz darauf informiert die App über die baldige Ankunft und schon ruft der Fahrer an und bespricht mit mir den genauen Treffpunkt. Er prüft, ob ich der richtige Fahrgast bin und schon geht’s los. Die ganze Fahrt wird aufgezeichnet. Sollte sich nachträglich herausstellen, dass der Fahrer sich offensichtlich verfahren hat, wird die Route korrigiert und man bekommt eine Gutschrift. Am Zielort angekommen steigt man aus, verabschiedet sich und fertig. Abgerechnet wird über die Kreditkarte, ein Trinkgeld kann man über die App auch gleich an den Fahrer ausrichten lassen. Danach kann ich den Fahrer bewerten, der Fahrer kann auch seine Gäste bewerten. Sollte übrigens ein betrunkener Gast in ein UBER-Fahrzeug erbrechen, so kann der Fahrer einen entsprechenden Button tätigen und der Fahrt werden zusätzliche 50 Franken für die Reinigung hinzugerechnet.

So einfach, so sauber und so transparent könnte der Transport von Menschen sein. Taxifahrer wehren sich mit Händen und Füssen gegen UBER und verstehen nicht, warum die Menschen lieber mit UBER fahren als mit einem Taxi. Ganz ehrlich, mir geht es nicht darum das UBER günstiger ist als ein Taxi. Ich würde auch dann UBER bestellen, wenn diese teurer wäre als ein Taxi. Was von mir aus gesehen übrigens Sinn machen würde, denn UBER ist sauberer, freundlicher und transparenter als die meisten Taxi-Unternehmen in der Schweiz. In Amsterdam beispielsweise sind die Taxis ausnahmslos Limousinen und jeder Taxi-Fahrer trägt Hemd und Anzug, ist freundlich und zuvorkommend. Geht man auf ein Taxi zu, springen die Fahrer aus dem Auto und öffnen einem die Türe. In der Schweiz kann ich froh sein, wenn die Türe entriegelt ist wenn ich einsteigen möchte.

UBER wird zur Kasse gebeten.

Und jetzt kommt der Schweizer Amtsschimmel und bietet UBER in der Schweiz zur Kasse. Denn anscheinend ist in der Schweiz bisher nicht offiziell geregelt, ob UBER-Fahrer selbständig Erwerbende oder Angestellte sind. UBER sagt, es sind selbständige Kleinunternehmer welche für Versicherung, etc. selber aufkommen. UBER vermittelt über die Plattform lediglich Kunden an die Fahrer und stellt die Abrechnung sicher. Die Suva kann, wie es scheint, in der Transportbranche bestimmen wer sozialversicherungsrechtlich als angestellt gilt und wer als selbständig. Nun hat man entschieden, dass UBER-Fahrer nicht selbständig sind. Somit verlangt die Suva von UBER rückwirkend Versicherungsbeiträge von  rund 1000 „Angestellten“ und auch die AHV springt gleich auf, jetzt wo die Sachlage anscheinend geklärt ist. Da darf UBER eine dicke, sehr dicke Rechnung erwarten.

Ist dies das Ende von UBER in der Schweiz?

Es wird sich zeigen wie UBER auf diese Forderungen reagiert. Normalerweise zeigt sich UBER kämpferisch und gibt auch vor dem Amtsschimmel nicht klein bei. Allerdings in Deutschland hat UBER leider fast verloren und ist in keiner Stadt mehr nur noch in Berlin und München tätig. Vielleicht könnte diese Geschichte auch das Ende von UBER in der Schweiz bedeuten… Ich bin, gelinde gesagt, enttäuscht. Es scheint, ein tolles Geschäftsmodell mit dem Fokus auf den Kunden, wird hier buchstäblich zerlegt. Die Taxifahrer werden sich in’s Fäustchen lachen und die Kunden bleiben die Dummen. Von der Schweiz hätte ich mehr erwartet, aber aktuell scheint man in allen Belangen wo es um eine moderne Mobilität geht, die aktuellen Entwicklungen nicht zu verstehen. Von einer weiteren Gotthardröhre, über die Milchkuh-Initiative bis hin zum UBER-Entscheid. Keiner versteht vor welchem Umbruch wir stehen und wie irrrelevant eine zweite Röhre oder eine dritte Autobahn-Fahrspur in 10, 12 oder 15 Jahren sein wird. Es ist an der Zeit alte Zöpfe abzuschneiden und den Weg für neue Möglichkeiten zu ebnen…

Update: UBER ist nicht gleich UBER

Drüben auf Facebook findet eine grosse Diskussion über UBER statt. Man fordert gleich lange Spiesse für Personentransporte, sieht in UBER Steuerhinterziehung und unzureichende Versicherungsdeckung. Aber auch die Qualität der hiesigen Taxi werden in Frage gestellt.

Bei den Kommentaren wurde mir eines bewusst: UBER ist nicht gleich UBER. Wenn Medien und Taxifahrer von UBER sprechen, dann meint man meistens uberPOP. Wenn ich von UBER spreche, dann meine ich uberX und UberBLACK. Aber wo liegt der Unterschied?

uberPOP

Das sind keine professionelle Fahrer, sondern einfach Menschen, welche andere Menschen A nach B bringen. Die Voraussetzungen für uberPOP sind gering: Führerschein seit mindestens 3 Jahren, ein Fahrzeug mit mindestens 4 Türen, das nicht älter ist als 10 Jahre und äusserlich und innerlich in einen gepflegten Zustand sein, einen Strafregisterauszug ohne Einträge und Wohnsitz in der Schweiz. Dazukommen noch weiche Faktoren wie Freundlichkeit und Zuverlässigkeit.

Die Fahrer generieren so ein Nebeneinkommen. Teilweise aus Spass, aus Neugier, aus Geldgier oder weil man auf ein zusätzliches Einkommen angewiesen ist. Die Fahrer sind aber selber dafür verantwortlich das Einkommen bei der jährlichen Steuerunterlagen anzugeben. Bis zu CHF 2000.- pro Jahr ist steuerfrei, alles andere muss versteuert werden. Die Fahrer sind auch selber verantwortlich sich genügend zu versichern und Ruhezeiten einzuhalten, so dass diese einen guten Dienst für die Kunden erfüllen können. Darüber hinaus, so Rasoul Jalali, Geschäftsführer von Uber Zürich, sind die uberPOP-Fahrer für Personenschäden zusätzlich durch Uber versichert.

uberX und UberBLACK

Das gilt für professionelle Fahrer. Für uberX benötigt man einen Klein- oder Mittelklassewagen der nicht älter ist als 10 Jahre. Für UberBLACK, die Luxus Produktkategorie von Uber, benötigt man eine top-gepflegte Oberklassenlimousine wie beispielsweise Mercedes Benz S-Klasse, ein Audi A8, ein BMW 7er oder ein Tesla. Darüberhinaus benötigt man einen Führerschein mit 121 Zulassung, einen Fahrtenschreiber und eine BPT Zulassung (Berufsmässiger Personentransport). Auch hier kommen weiche Faktoren dazu wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Freundlichkeit.

Wer also uberX oder UberBLACK fährt macht das nicht einfach so aus Spass. Das sind meistens bereits professionelle Berufsfahrer mit eigenen Limousinen und können so in ruhigen Zeiten für UBER fahren und so ein zusätzliches Einkommen generieren. Nicht ganz unwichtig. Diese professionellen Fahrer sind in Sachen Steuern und Versicherungen also bestens organisiert.

Das Zürcher Polizeidepartement hält übrigens fest, dass es sich bei UBER um einen Limousinenservice handelt. Gegenüber einer Anfrage von SRF News Online sagt man

Limousinenservices können mit den eigentlichen Taxis nicht gleichgesetzt werden.

Limousinenfahrten dürfen nur ohne Kennlampe auf dem Dach durchgeführt werden, die Fahrer müssen keine Taxiuhr einschalten, müssen keine Stadtkundeprüfung ablegen und sie dürfen sich mit ihren Wagen nicht auf Taxistandplätze stellen.

Die Polizei hält aber fest:

Selbstverständlich bewegen sich auch Limousinenservices nicht im rechtsfreien Raum.

Auch UBER-Fahrer unterstehen demnach der Verordnung über die Arbeits- und Ruhezeit, der sogenannten ARV 2. Dort ist festgehalten, was professionelle Fahrer brauchen: einen Fahrtenschreiber und den Führerausweis mit dem Zusatzcode 121 für den berufsmässiger Personentransport. Was ja von UBER für die uberX und UberBLACK Fahrten vorgeschrieben ist.

  • rogerml

    Das Problem ist, dass in der Schweiz v.a. die AHV bez. die SUVA bestimmt, wer als selbständig Erwerbender gilt. Dazu muss der Investitionsnachweis u.a. erbracht werden. Ohne – keine Chance. Ich geh mal davon aus, dass ein Fahrzeug alleine nicht ausreicht. Und wenn in der Vergangenheit etwas nicht „nach Gesetzt“ gelaufen ist – keine Chance.