Reichweitenangst – Die neue Volkskrankheit?

Reichweitenangst – Die neue Volkskrankheit?

Reichweitenangst ist die Angst des Elektroauto-Fahrers, dass die Reichweite seines Fahrzeugs zur Beendigung der aktuellen Fahrt nicht ausreichend sein könnte.

Diese Art von Angst dürfte nicht ganz unbegründet sein. Verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle:

  • Ungenaue Ladezustandsanzeigen im Elektroauto – Der Bordcomputer errechnet anhand der Batterie und den aktuellen Umwelteinflüssen wie Temperatur, Einstellungen im Fahrzeug wie auch Fahrverhalten, wie weit man mit dem aktuellen Ladezustand fahren kann. Durch Abschaltung von Heizung und schonendem Fahren kann der Fahrer die Reichweite massgeblich beeinflussen. Muss dann aber vielleicht frieren.
  • Grobmaschiges Netzwerk an Ladestationen – Nicht überall gibt es Ladestationen und schon gar keine Supercharger oder Hochleistungsladestationen. Wer eine längere Fahrt unternimmt, macht sich am besten vorher schlau, wo und wie man eine Pause für den Ladevorgang einplant.
  • Lange Ladezeiten – Hat man eine Ladestation erreicht, so ist man schnell einmal zu einer Zwangspause von 30 bis 60 Minuten verdonnert. Je nach Leistung der Ladestation. Auch die Supercharger können mal weniger schnell laden, wenn beispielsweise alle Stationen besetzt sind. Dann heisst es, genügend Laden oder später ankommen…

Insbesondere in der kalten Jahreszeit kommt die Reichweitenangst, insbesondere für bisher unerfahrene Elektroauto-Fahrer, stark auf. Die Batterie im Elektroauto muss auf eine Betriebstemperatur von 20 Grad gebracht werden, damit sie optimal funktioniert. Das braucht auch Strom. Der Fahrer selber will auch nicht unbedingt mit einem fahrenden Kühlschrank unterwegs sein und heizt gerne den Innenraum wie auch den Sitz. Auch das braucht wieder Strom. Und so wird aus einer Reichweite von 500 Kilometer schnell einmal 250 Kilometer. Einfach nur weil Winter ist. Und weil das anderen Elektroauto-Fahrer gleich ergeht, werden auch die Ladestationen besser besetzt sein.

In Norwegen, wo Elektroautos sehr verbreitet sind, wurde 2013 der neue Begriff rekkeviddeangst vom Rat für Norwegische Sprache auf den zweiten Platz der Liste der „Worte des Jahres“ gewählt.

Wie auch der kürzlich durchgeführte teslaXch Tag gezeigt hat, die Reichweitenangst existiert tatsächlich:

Glücklicherweise ist das Problem nicht nur Tesla bekannt. Neben den bekannten Supercharger wollen jetzt auch die „alten“ Autobauer ein in Europa flächendeckendes Hochleistungsladesationen-Netzwerk aus dem Boden stampfen. Hingegen als nutzlos haben sich mobile Notfall-Ladestationen erwiesen. Die gegenwärtigen Elektroauto-Fahrer sind einfach zu gut organisiert und vorbereitet.